Der KDE-Media-Player Amarok kann in der neuen Version mehr als nur Ihre MP3-Dateien abspielen. Amarok verwaltet Musik, lädt Covers sowie Liedertexte herunter und vieles mehr.
Vom einstigen simplen Player ist die neue Version von Amarok inzwischen weit entfernt. Das Programm glänzt mit einer umfangreichen Musikverwaltung und zahlreichen Extras, etwa dem Empfang von Internet-Radio. Das KDE-Programm kommt mittlerweile sogar mit Podcasts zurecht. Wenn Sie Ihre MP3-Sammlung organisieren wollen, bietet Ihnen Amarok eine Eingabemaske, mit der Sie bequem ID3-Tags bearbeiten. Und für den Fall, dass Sie mehr über einen Titel wissen möchten, beispielsweise den Interpreten, lädt der Player auf Wunsch fehlende Informationen aus der Musicbrainz-Datenbank im Internet. Auch den Song-Text eines laufenden Musikstücks liefert Amarok auf Wunsch aus dem Internet. Fleißige Fans sorgen daneben mit zusätzlichen Scripts dafür, dass sich Amarok um weitere Funktionen erweitern lässt und dann beispielsweise auch die Akkorde für ein Musikstück aus einer Datenbank abrufen kann.
Die aktuelle Version 1.4.4 bietet über die Registerkarte „Magnatune.com“ am linken Fensterrand sogar (meist unbekanntere) Musikstücke zum Kauf über das Internet an. Sie können dabei in sämtliche Stücke hineinhören und die Alben bei Gefallen für einen Betrag zwischen fünf und 18 US-Dollar DRM-frei herunterladen.
Installieren
Die Installation von Amarok gestaltet sich unter den drei Distributionen Fedora Core 6, Open Suse 10.2 und Ubuntu dank komfortabler Paketverwaltungen recht einfach. Ist das Audioformat Ihrer Wahl MP3, müssen Sie die Unterstützung für dieses Format in der Regel nachrüsten, da sie aus rechtlichen Gründen bei einer Standardinstallation fehlt.
Fertige RPM-Pakete der neuesten Amarok-Version für Suse Linux 10.0 und 10.1 finden Sie auf dieser Website. Die hier angegebenen Repositories können Sie auch in Yast einbinden. Unter Umständen müssen Sie weitere Pakete installieren, um Abhängigkeiten aufzulösen. Fehlen die Pakete auf den Installationsmedien, können Sie zusätzliche Repositories in Yast einbinden. Wie Sie dabei vorgehen und welche Links Sie eintragen müssen, erfahren Sie auf dieser Website. Open Suse 10.2 bringt Amarok in der aktuellen Version 1.4.6 mit. Die Ubuntu-Version installiert den Player standardmäßig mit. Benutzer von Fedora Core 6 müssen sich zusätzlich das Paket „Helix-Player“ aus dem Internet besorgen. Unter „Software hinzufügen/entfernen“ im Startmenü starten Sie den Fedora-Paketmanager, wechseln in die Registerkarte „Durchsuchen“, tippen dort den Suchbegriff „amarok“ ein und wählen die aktuelle Amarok-Version 1.4.6 zur Installation aus.
Einrichten
Beim ersten Start begrüßt Sie der Amarok-Einrichtungsassistent, der Ihnen in zwei Schritten hilft, die Grundeinstellungen des Players zu bestimmen. Sofern Sie keine speziellen Wünsche haben, können Sie die Vorgaben übernehmen. Möchten Sie später Änderungen vornehmen, können Sie diese über „Einstellungen, Amarok einrichten“ konfigurieren. Im Player erreichen Sie den Punkt über das Kontextmenü. Markieren Sie im Assistenten zunächst die Verzeichnisse, in denen Ihre Musiksammlung liegt, damit Amarok sie indizieren kann. Amarok prüft diese Verzeichnisse später laufend auf neue Dateien und aktualisiert die Indizierung gegebenenfalls.
Standardmäßig kommt in Amarok eine SQLite-Datenbank zum Einsatz, in der das Programm sämtliche Informationen speichert. Wir empfehlen, diese Option zu nutzen. Fortgeschrittene können auch die – unmerklich schnellere – MySQL-Datenbank verwenden. Wie das geht, verrät diese Anleitung.
Nachdem Sie die beiden Fragen beantwortet haben, erscheint das zentrale Wiedergabelisten-Fenster, über das Sie die meisten Features des Players steuern.
Erweiterte Einstellungen
Wenn Sie auf dem Desktop sowohl den schlanken und platzsparenden Player als auch das mächtige Wiedergabelisten-Fenster anzeigen lassen wollen, aktivieren Sie zunächst die Option „Einstellungen, Player-Fenster ausblenden“. Haben Sie aus Versehen das Wiedergabelisten-Fenster geschlossen, öffnen Sie im Kontextmenü des Players den Menüpunkt „Amarok einrichten“, deaktivieren dort die Option „Player-Fenster anzeigen“ und klicken auf „OK“. Danach können Sie wieder im Einstellungsmenü des Wiedergabelisten-Fensters die Option „Player-Fenster ausblenden“ anklicken, um beide Fenster anzuzeigen.
Weitere Einstellmöglichkeiten bietet Ihnen das Kontextmenü des Players oder der Menüpunkt „Einstellungen, Amarok einrichten“. Unter „Wiedergabe“ steuern Sie beispielsweise die Überblendung zwischen zwei Musikstücken. Zu Beginn eines neuen Lieds blendet Amarok kurz Titel und Interpret ein. Wie das genau aussieht, legen Sie selbst im Punkt „OSD“ (On Screen Display) fest.
Tastenkürzel-Fans können sich unter „Einstellungen, Globale Kurzbefehle einrichten“ sowie „Einstellungen, Kurzbefehle einrichten“ austoben und dann Amarok weitgehend mit der Tastatur steuern. Amarok verwendet standardmäßig die Windows-Taste in Kombination mit anderen Tasten. Falls das bereits festgelegten Tastenkürzeln in anderen Programmen in die Quere kommt, können Sie die Einstellungen hier ändern.
Sammlung erfassen
Nachdem Sie den Assistenten beendet haben, beginnt Amarok automatisch, die von Ihnen festgelegten Verzeichnisse nach Musik zu durchsuchen und gefundene Dateien zu indizieren. Je nach Größe Ihrer Musiksammlung kann das mehrere Minuten dauern.
Anschließend zeigt Amarok in der linken Spalte im Wiedergabelisten-Fenster eine alphabetisch nach Interpreten geordnete Liste der gefundenen Stücke.
Um neu Hinzugekommenes müssen Sie sich nicht kümmern: Amarok scannt die Ordner regelmäßig nach neuer Musik und aktualisiert den Bestand. Das gilt auch für veränderte ID3-Informationen. Sie können Amarok aber auch veranlassen, die gesamte Sammlung neu einzulesen. Rufen Sie dazu im Menü „Extras, Sammlung neu erfassen“ auf oder die entsprechende Option im Kontextmenü des Players. Über „Einstellungen, Amarok einrichten, Sammlung“ ergänzen Sie weitere Musikverzeichnisse, die Amarok dann ebenfalls automatisch erfasst.
Musikverwaltung
Standardmäßig ordnet Amarok gefundene Musik alphabetisch in der Registerkarte „Sammlung“ am linken Rand des Wiedergabelisten-Fensters an. Ein Drop-down-Menü direkt darüber bietet eine weitere Sortiermöglichkeit: Lassen Sie sich etwa alle Stücke anzeigen, die erst innerhalb der letzten Woche zu Ihrer Sammlung hinzugekommen sind. Ein Button „Gruppierung“ in der Werkzeugleiste klappt ein weiteres Drop-down-Menü aus, mit dem Sie Ihre Sammlung etwa nach Albumnamen, Interpreten oder Genre sortieren. Dabei können Sie mehrere Ebenen berücksichtigen.
Ein Beispiel: Für jeden Interpreten möchten Sie außerdem die vorhandenen Alben nach Erscheinungsdatum sortieren. Wählen Sie dazu im Drop-down-Menü unter „Erste Ebene“ den Eintrag „Interpret“, unter „Zweite Ebene“ den Punkt „(Jahr) Album“. Daraufhin zeigt Amarok in der Sammlungsliste zunächst alphabetisch die Interpreten in einer Baumstruktur an. Wenn Sie einen Interpreten-Eintrag aufklappen, sehen Sie alle vorhandenen Alben dieses Interpreten nach Erscheinungsjahr sortiert. Alben, die dem gleichen Jahr zugeordnet sind, sortiert Amarok alphabetisch. Voraussetzung für die Sortierung sind sorgfältig vergebene ID3-Tags.
Sind Sie auf der Suche nach einem bestimmten Lied, müssen Sie aber gar nicht lange durch die Liste scrollen, sondern können einen passenden Suchbegriff in das Suchfeld oberhalb der Liste eintragen. Amarok blendet dann alle nicht darauf passenden Einträge aus.
Metadaten bearbeiten
Korrekte ID3-Tags sind Voraussetzung für eine gut sortierte digitale Musiksammlung. Jede MP3-Datei ist anhand eines solchen ID3-Tags mit Zusatzinformationen wie Interpret, Musiktitel, zugehöriges Album, Erscheinungsjahr oder Genre versehen. Amarok greift bei der Erfassung und Sortierung einer Sammlung auf diese Informationen zurück und bezeichnet sie als Metadaten. Nicht selten bedürfen diese Metadaten der Überarbeitung oder fehlen ganz. Amarok bietet eine übersichtliche Eingabemaske, um die Tags schnell zu verändern oder zu ergänzen.
Möchten Sie die Metadaten einer Datei bearbeiten, markieren Sie das Stück in der Sammlungsliste, wählen im Kontextmenü „Metadaten bearbeiten...“ und wechseln dann gegebenenfalls in die Registerkarte „Metadaten“. Damit das Tippen nicht in Arbeit ausartet, bietet Ihnen Amarok bei aktiver Internet-Verbindung an, auf die Musikdatenbank „Musicbrainz“ zuzugreifen, um fehlende Daten zu ergänzen.
In vielen Fällen reicht der Titel eines Musikstücks, damit Amarok in der Online-Datenbank fündig wird. Steht Ihnen lediglich der Interpret zur Verfügung, bietet Ihnen ein weiteres Fenster eine Liste mit sinnvollen Vorschlägen an, aus der Sie wählen können.
Amarok ergänzt Metadaten übrigens lediglich in der ID3-Version 1. Wenn Sie Ihre Informationen auch in der neuen Version 2 speichern möchten, empfehlen wir Ihnen das Programm Kid3.
Wiedergabelisten erstellen und speichern
Die aktuelle Wiedergabeliste zeigt Amarok im rechten Fensterteil. Per Doppelklick auf einen Song-Titel oder per Drag & Drop befördern Sie Musikstücke aus Ihrer Sammlung in die Wiedergabeliste. Die Wiedergabe eines Stücks aus der Liste starten Sie über das Kontextmenü eines markierten Liedes oder mit den Player-Buttons am unteren Fensterrand. Amarok spielt die in der Wiedergabeliste aufgeführten Musikstücke dann nacheinander ab, bis Sie die Wiedergabe stoppen oder die Liste zu Ende ist.
Um eine ganze Wiedergabeliste zu löschen, klicken Sie auf den Button „Leeren“ links darüber. Einzelne Stücke entfernen Sie über das Kontextmenü des jeweiligen Titels. Möchten Sie eine gelungene Wiedergabeliste zur späteren Verwendung speichern, bemühen Sie das Disketten-Icon in der Werkzeugleiste oder klicken mit der rechten Maustaste in das Wiedergabelisten-Fenster und wählen „Wiedergabeliste speichern unter“.
Anschließend finden Sie die Liste in der Registerkarte „Wiedergabelisten“ am linken Fensterrand wieder. Bereits erstellte Playlists im M3U- oder PLS-Format importiert Amarok automatisch und legt sie ebenfalls dort ab.
Internet-Radio-Streams einbinden
Ähnlich wie bei Podcasts verfahren Sie mit Radio-Streams aus dem Internet. Amarok bringt bereits einige vorkonfigurierte Stream-Adressen in der Registerkarte „Wiedergabelisten“ unter „Radio-Streams, Coole Streams“ mit. Ihre eigenen Favoriten fügen Sie über das Kontextmenü des Eintrags „Radio-Streams“ ein. Dort vergeben Sie zunächst einen beliebigen Namen und fügen darunter den Link zum Radiosender in Form einer M3U- oder PLS-Adresse ein. Per Doppelklick starten Sie dann die Übertragung.
Album-Covers herunterladen
Auf Wunsch können Sie zu Ihren Musikstücken auch die passenden Album-Covers aus dem Internet beziehen. Amarok verwendet dabei die Metadaten „Album“ aus Ihren Dateien und forscht danach online auf den Seiten von Amazon. Wird Amarok fündig, speichert es das Minibild auf Ihrem Rechner und zeigt es künftig im OSD, unter „Metadaten bearbeiten, Zusammenfassung“ im Kontextmenü eines Stückes sowie in der Registerkarte „Kontext“ am linken Rand des Wiedergabelisten-Fensters.
Möchten Sie Ihre Vorschaubilder gesammelt verwalten, rufen Sie den Menüpunkt „Extras, Coververwaltung“ auf. Hier können Sie beispielsweise überflüssige oder nicht korrekte Bilder löschen oder erneuern. Über die Schaltfläche „Fehlende Cover holen“ können Sie in einem Rutsch noch nicht vorhandene Cover-Bilder herunterladen. Wird Amarok bei der voreingestellten deutschen Amazon-Website nicht fündig, lässt sich die Suche über die Schaltfläche „Amazon-Lokalisierung“ auf internationale Websites ausweiten.
Song-Texte herunterladen
Wer gerne mitsingt, wird dieses Amarok-Feature zu schätzen wissen: Wenn Sie ein Lied abspielen, kann Amarok den dazu passenden Liedtext im Internet suchen und im Erfolgsfall in der Registerkarte „Kontext, Text“ anzeigen. Lässt sich ein Musikstück nicht eindeutig zuordnen, bietet Amarok eine Liste von Texten zur Auswahl. Über die Schaltflächen „Hinzufügen“ und „Bearbeiten“ können Sie selbst neue oder überarbeitete Texte in der Online-Datenbank Lyrc.com.ar ablegen. Amarok speichert die Song-Texte jedoch nicht lokal auf Ihrem PC. Um die Texte lokal zu sammeln, müssen Sie auf entsprechende Scripts zurückgreifen. In der Registerkarte „Kontext, Interpret“ zeigt Amarok den Wikipedia-Eintrag zu dem Künstler, dessen Lied Sie gerade abspielen. Über die Schaltfläche „lng“ wählen Sie aus, in welchem Sprachgebiet Amarok in den Wikipedia-Seiten suchen soll.