Die Geschichte von Unix
Bis Ende der 60er Jahre mußten die Benutzer von Rechenanlagen noch höchst unkomfortabel mit
dem System kommunizieren. Ein neues Betriebssytem sollte interaktiv sein, hohe Funktionalität
bieten und zugleich einfach zu bedienen sein. Diesen Anforderungen sollte 1969 Ken Thompson
bei den Bell Laboratories mit der Entwicklung von UNIX Rechnung tragen.
UNIX sollte hierbei
- multitasGastfähig sein, d.h. der Benutzer kann mehrere Programme gleichzeitig ablaufen lassen,
- multiuserfähig sein, d.h. das System soll mehrere Benutzer gleichzeitig bedienen können und schließlich
- offen sein, d.h. es soll sich leicht in Rechnernetze einbinden lassen können.
Die erste Version war noch in Assembler geschrieben, bereits die nächste Version aus dem Jahr
1971 war in der Programmiersprache C implementiert; auf dieses Jahr datiert das erste Handbuch,
mit dessen Hilfe das UNIX-System innerhalb der Laboratorien eingesetzt wurde. Öffentlich
zugänglich gemacht wurde diese Version erst 1975. Die Hardwareunabhängigkeit als letztes
großes Ziel der Bell Laboratories wurde schließlich 1979 erreicht. Von diesem Zeitpunkt an
wurde an unterschiedlichen Stellen die Entwicklung vorangetrieben.
1965: Bell Telephone Laboratories, General Electric Company und das Massachusetts Institute
of Technology taten sich zusammen, um ein neues Betriebssystem MULTICS (multiplexed
information and computing service) zu entwickeln. Die Ziele waren, gleichzeitigen
Computerzugriff einer großen Benutzergemeinde zur Verfügung zu stellen, genügend Rechenleistung
und Datenspeicher bereitzustellen, und den Benutzern untereinander einen
leichten Zugriff auf ihre gemeinsamen Daten zu erlauben, wo dies gewünscht wurde.
1969: Eine primitive Version des Betriebssystems MULTICS lief auf der Maschine GE645,
doch war man zu diesem Zeitpunkt noch sehr weit von den hochgesteckten Erwartungen
entfernt und ein Ende der Entwicklung des angekündigten Betriebssystems mit voller
Funktionsfähigkeit war nicht abzusehen. In dieser Folge beendeten die Bell Laboratories
die Teilnahme an diesem Projekt.
Ken Thompson von den Bell Laboratories, der an dem Projekt MULTICS mitentwickelt
hatte, entwickelte eine abgemagerte Single - User Version von MULTICS auf einer PDP-
7. Brian Kernighan nannte dieses System etwas spaßig: UNICS (uniplexed information
and computing service). Die Schreibweise wurde später nach UNIX geändert.
1971: UNIX wird auf eine PDP-11 portiert.
1973: Dennis Ritchie schrieb das System in einer höheren Programmiersprache, genannt C,
welche ebenfalls von Ritchie mit entworfen und implementiert wurde. UNIX wurde damit
leicht auf andere Maschinen portierbar. Zu diesem Zeitpunkt wurde UNIX nur intern von
den Bell Labs verwendet und es gab circa 25 Installationen.
1975: Thompson und Ritchie veröffentlichten ein Papier in Communications von ACM, welches
ein UNIX-System beschrieb.
1977: UNIX wurde das erste Mal auf eine Nicht - PDP - Maschine portiert: Interdata 8/32.
Dies war der Startschuß für eine Vielzahl von Portierungen durch andere Firmen wie
IBM, Cray, HP, etc.
Circa 500 Installationen, davon 125 an Universitäten, die von AT&T fast umsonst UNIXLizenzen
erhielten. Dies ist einer der Gründe, weswegen sich in den 80er Jahren das Betriebssystem
über ehemalige Studenten so rasch ausbreiten konnte.
1981: Bell Labs kombinierten einige AT&T-Varianten in einem einzigen System: Das UNIX
System III.
1983: Bell Labs kündigten offiziellen Support für das Nachfolgemodell System V an.
Eine andere stark verbreitete Unix-Variante war die an der University of California in
Berkeley entwickelte UNIX BSD 4.3 Version (Berkeley System Distribution) für VAXMaschinen.
1984: AT&T kündigte System V Release 2.0 an: Bis zu 10 Prozent schneller und einige Kommandos.
Circa 100000 Installationen.
1986: Freigabe von UNIX System V Release 3.0
1987: Mehr als 300000 Installationen bei über einer Million Benutzern. Minix, ein Lehrbetriebssystem
mit offenen Sourcen für wenig Geld, wurde veröffentlicht.
Für Minix waren die meisten Unixprogramme verfügbar (z.B. die Entwicklungswerkzeuge
von GNU) aber z.B. keine graphische Oberfläche.
1989: UNIX System V Release 4 wurde freigegeben und gilt nach wie vor auch heute
als UNIX - Standard (auch wenn sich da noch einiges geändert hat in Richtung Zertifizierung
nach UNIX und POSIX).
1990: Als letzte Version erschien hier die Version 4.4 von BSD.
Woher kommt Linux bzw. wie ist es entstanden?
1969 erblickte Linus Benedict Torvalds das Licht der Welt. Seine Eltern waren Journalisten und
politisch eher dem linken Lager zuzurechnen. Mit dem Erscheinen des Commodore VC -20 begann
er sich für die Computerei zu interessieren. 1991 kaufte er sich als Student an der Universität
Helsinki (mittlerweile ist er Ehrendoktor genannter Bildungseinrichtung) einen PC mit dem
damals noch brandneuen Intel 80386er-Prozessor. Sofort begann er sich mit der MultitasGastfähigkeit
dieser Maschine zu beschäftigen.
Professor Andrew S. Tanenbaum von der Vrije Universität Amsterdam in den Niederlanden entwickelte
mit Studenten das Betriebssystem Minix für PCs, das die Grundlogik von UNIX nachbilden
sollte. Die Studenten sollten anhand dieses vereinfachten Modells die Arbeitsweise von
Betriebssystemen besser verstehen lernen. So wurde Anfang 1987 die erste Version von Minix
freigegeben und innerhalb weniger Monate gab es schon eine begeistere Anhängerschar. Es wurde
an nichtkommerzielle Anwender ohne Lizenzgebühren weitergereicht und damit die Idee für
ein frei zugängliches UNIX - System geboren.
Linus wollte sich partout nicht damit abfinden, dass er regelmäßig Schlange stehen musste, um
an einem der 16 Rechner-Terminals seine Unix-Programmierübungen zu absolvieren. Es musste
doch möglich sein, ein System zu schaffen, mit dem er sich von seinem Heim - PC via Modem in
das Uni-Rechnersystem einloggen konnte. Das damals auf PCs übliche Betriebssystem MS -
DOS schien ihm dafür denkbar ungeeignet. Als einzige Alternative kam Minix in Frage. Was
noch für Minix sprach: Es hatte sich seit seiner Veröffentlichung 1987 eine vitale Internet - Gemeinde
gebildet, deren Newsgroups Ende der Achtziger von mehr als 50.000 Minix - Usern rege
und produktiv frequentiert wurden.
August 1991:
Hello everybody out there using minix -
I’m doing a (free) operating system (just a hobby, won’t be big and professional like gnu) for 386(486) AT
clones. This has been brewing since april, and is starting to get ready. I’d like any feedback on things
people like/dislike in minix, as my OS resembles it somewhat (same physical layout of the file-system
(due to practical reasons) among other things).
I’ve currently ported bash(1.08) and gcc(1.40), and things seem to work. This implies that I’ll get something
practical within a few months, and I’d like to know what features most people would want. Any suggestions
are welcome, but I won’t promise I’ll implement them :-)
Linus (
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PS. Yes - it’s free of any minix code, and it has a multi-threaded fs. It is NOT protable (uses 386 task
switching etc), and it probably never will support anything other than AT-harddisks, as that’s all I have :-(.
Mit dieser harmlos klingenden Nachricht begann die Entwicklung und Verbreitung eines Unixähnlichen
Betriebssystems, Linux V 0.01. Eigentlich hätte das System „Freax“ getauft werden
sollen, zu guter Letzt bekam es jedoch einen Namen, der seinem Schöpfer sehr ähnlich klingt.
Torvalds fällte eine legendäre Entscheidung und stellte den Quellcode in das Internet. Weiters
lud er alle interessierten dazu ein, an seinem Projekt mitzuarbeiten. Sofort fand sich eine kleine
Programmierergemeinde zusammen und arbeitete an Linux. Die Diskussion und Entwicklung
erfolgte in öffentlichen Newsgroups und Mailinglisten, und so entstand von Anfang an mit frei
erhältlichem Quellcode und unter der Mitwirkung von vielen Programmierern das kostenfreie
Betriebssystem Linux.
Inzwischen ist Linux ein vollwertiges 32 - bzw. 64 - Bit Betriebssystem. Der Begriff bezeichnet
aber eigentlich nur den Betriebssystem-Kern. Wesentlich für den Erfolg war die Übernahme der
GNU - Lizenzvereinbarungen, die den Quellcode von Linux jedem zugänglich machen und die
freie Existenz von Linux schützt.
Nach drei Jahren war die erste offiziell vollständige Version von Linux fertig, die einen Vergleich
mit anderen UNIXen nicht zu scheuen brauchte. Erste Anwendungen für Linux wurden
geschrieben oder portiert, wie z.B. Richard Stallmans GCC (GNU - C - Compiler). Als einzige
Plattform lief der Code auf der i386er Architektur, an Hardware wurden einzig IDE-Festplatten,
Bildschirm, Tastatur und die serielle Schnittstellen unterstützt. Als Dateisystem verwendete Linux
Version 0.01 Minix in einer multithraeded - Variante, die internen Strukturen waren ansonsten
mehr auf Funktionalität als auf Effizienz ausgelegt. So realisierten nur simple Methoden den
für Multiprocessing notwendigen Taskwechsel, eine Prioritätensteuerung und Nachrichtenverwaltung
fehlte vollkommen. Die frühe Realisierung einer Speicherverwaltung kannte immerhin
schon die Verwendung von virtuellem Speicher durch Paging und Segmentierung. Das gesamte
Kernelpaket hatte eine komprimierte Größe von ca. 70 kByte.
Ian Murdock gründete in dieser Zeit das Debian - Projekt. Debian ist die verbreitetste nichtkommerzielle
Distribution. Debian arbeitet mit einer eigenen Paketverwaltung (*.deb), zudem wird
nur wirklich freie Software in die CD - Images aufgenommen. Kommerzielle Produkte haben
keine Chance. Natürlich gibt es auch CDs von Herstellern, die auch nicht 100% freie Programme
aufnehmen. Es handelt sich um eine der qualitativ hochwertigsten Distributionen, aber auch eine
der am schwierigsten zu beherrschenden Produkte. Anfängern wird üblicherweise von Debian
abgeraten, obwohl es auch hier verschiedene Ansichten gibt.
Billige CD - ROM-Technologie half Linux schließlich auf die Sprünge und in weiterer Folge
etablierten sich die großen Mainstream - Distributionen (dzt. SuSE (70% im deutschsprachigen
Raum), Caldera (praktisch tot), RedHat, Mandrake, Debian). Kleine Nischen mit IcePack - Linux,
EasyLinux und diversen Spezialdistributionen für Rechnerarchitekturen außerhalb der Intel-
Welt gibt es natürlich auch.
Microsoft hatte zumindest 1996 Linux recht intensiv in Verwendung (Glyn Moody – „Die Software-
Rebellen“). Offenbar wurde es noch nicht ernst genug genommen!
Erste Linux - Support - Unternehmen gingen an die Börse (Larry Augustin mit VA - Linux). Er
entschloss sich in die Computerbranche zu gehen und stand vor der Wahl einer Sun - Sparc um
US$ 7.000,- oder einer Linux - Maschine um US$ 2.000,-. Er schaffte es, einen Linux - Rechner
zu bauen, der doppelt so schnell war wie die damaligen Sparcs. So begann er Geld damit zu verdienen.
Viele Verlage entdeckten Linux, Addison & Wesley, O’Reilly, Markt& Technik, bhv,
uvam.
Microsoft wurde auf die „Gefahr“ Linux aufmerksam und begann intern Untersuchungen über
dieses Betriebssystem anzustellen. Diese Untersuchungen gipfelten in den so genannten „Halloween
– Dokumenten“, die aber durch ein Leck in der MS - Maschinerie an die Linuxer - Community
zugespielt wurden. Diese Dokumente wurden dann von Richard Stallman im Internet
veröffentlicht.
Quellen
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