Auch wenn das Social Media Recruiting, die Personalbeschaffung über soziale Netzwerke, in den USA bereits auf dem Vormarsch ist – hierzulande steht es noch ziemlich am Anfang. Das Prinzip: Social Media Recruiting erfolgt mit Hilfe von Webangeboten, die z.B. über eine Facebook-Seite gezielt darauf ausgerichtet werden, Bewerber durch ein speziell gestaltetes Profil für das eigene Unternehmen zu interessieren.
Obwohl die von Facebook zu diesem Zweck angebotenen Seiten (früher Fan-Seiten genannt) noch immer vor allem der Unterstützung von Marken dienen sind, lassen sie sich – indem die Unternehmen ihre Stellenangebote und ihr soziales Profil in den Fokus stellt – auch als Social Media Recruiting Angebote gestalten. Als perfekt gilt diese Vorgehensweise dann, wenn das betreffende Unternehmen seine neuen Stellenangebote zeitgleich über Twitter promotet und Jobinteressierte dadurch zu Followern der Twitter-Meldungen macht.
Mitarbeiterwerbung über soziale Medien – ein Tabubruch?
Thorsten Petry, Professor für Organisation und Personalmanagement, hat zum Thema Social Media Recruiting eine Studie durchgeführt und ist dabei zu interessanten Ergebnissen gekommen. So sähen viele Nutzer soziale Netzwerke wie Facebook, XING & Co in erster Linie als private Plattformen, auf denen sie nicht unbedingt mit Jobangeboten konfrontiert werden wollen. Denn soziale Netzwerke bauten auf dem Prinzip einer gleichberechtigten Kommunikation auf, mit dem traditionelle Bewerbungsstrukturen nicht im Einklang stünden. So drücke bereits der Begriff des “Bewerbers” ein Abhängigkeitsverhältnis aus, das der nichthierarchischen Kommunikation in sozialen Netzwerken klar widerspreche.
Kann, was nicht ist, noch werden?
Das aber kann sich recht schnell ändern. Denn gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind soziale Netzwerke eine gute und preiswerte Chance, sich als Arbeitgeber zu positionieren. Und das tun sie denn teilweise auch schon. Das für Personalmarketing-Maßnahmen derzeit am häufigsten genutzte soziale Netzwerk ist dabei Xing, Facebook nutzen gut 8 Prozent der Unternehmen.
Wie das Webinar zum aktuellen Recruiting Report "Quo Vadis Recruitment 2011" gezeigt hat, lässt sich Social Media Recruiting also keineswegs (mehr) als Hype abtun. Eine im Frühjahr 2011 zu diesem Thema durchgeführte Befragung von 334 Personalverantwortlichen brachte – kurz gefasst – die folgenden Ergebnisse: Social Media Recruiting gehört zwar zu den Top-Themen, rangiert aber nicht ganz oben. Bei den wichtiger gewordenen Themen steht Social Media hingegen auf Platz 1. Mehr als 50% aller Unternehmen nutzen Facebook, Twitter, LinkedIn, Blogs und Google überhaupt nicht. Nur etwas über 8 % der Unternehmen geben an, Facebook regelmäßig zu nutzen, um für sich als Arbeitgeber Werbung zu machen. Nur 4 % der Unternehmen nutzen Facebook regelmäßig für Recruiting, die kleinen und die ganz großen Unternehmen setzen die Social Media Plattformen dabei überdurchschnittlich häufig ein. Und last but not least: 15 % der Einstellungen und Bewerbungen kommen bereits über den Social Media Kanal.
Mit anderen Worten: Social Media ist das Instrument, das im Hinblick auf zunehmende Wichtigkeit unter Personalmarketing- und Recruiting-Experten den höchsten Rang einnimmt. Dass dem Report zufolge bereits 15 Prozent aller Bewerbungen und Einstellungen über den Social Media Kanal und die Business-Netzwerke kommen, bedeutet gegenüber den sieben bis acht Prozent aus dem vergangenen Jahr eine glatte Verdoppelung und beschert dem Social Media Recruiting unter den Recruitingkanälen damit in diesem Jahr bereits einen eindrucksvollen fünften Platz. Und diesen Platz verdankt Social Media Recruiting nicht etwa – wie vorausgesagt – den Konzernen, die Plattformen werden überdurchschnittlich von kleinen (< 500 Mitarbeiter) und von den ganz großen Unternehmen (> 50.000 Mitarbeiter) genutzt.
Beschäftigung mit Social Media Recruiting noch sehr gering.
Es gänzlich anderes Bild ergibt sich, sobald man nach den Kapazitäten fragt, die die Unternehmen für diese Strategie aufwenden. Hier zeigt sich nämlich, dass – über die gesamte Bandbreite der befragten Unternehmen hinweg – nur eine kleine Minderheit der Personalmanager der Beschäftigung mit diesem Thema genügend Aufmerksamkeit schenkt und die benötigten Ressourcen einsetzt. Denn betrachtet man sie im Gesamtthemenbereich Personalmarketing- und Recruiting, so landet die Beschäftigung mit den sozialen Medien noch hinter den Talent-Relationship-Management-Maßnahmen auf einem abgeschlagenen neunten Platz.
Möglichkeiten in vielen Unternehmen nach wie vor unbekannt.
So gilt mit Blick auf Social Media und Recruiting derweil noch immer die nicht sonderlich fruchtbare Kombination von großem Interesse und geringen Kenntnissen. Es überrascht daher auch nicht, dass kaum mehr 10 Prozent der Unternehmen ihren Recruitern bestätigen, die Möglichkeiten der Sozialen Medien zu kennen und zu nutzen. Rund 15 Prozent der befragten Unternehmensvertreter geben an, dass ihre Recruiter von alledem nicht die geringste Ahnung haben.












