Vor zehn Jahren versteigerte die Bundesnetzagentur Mobilfunkfrequenzen für 50 Milliarden Euro. Die unter den Hammer geratenen Frequenzen sollten dem Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) den Weg zum neuen Mobilfunkstandard ebnen. Damit ein flächendeckender Netzausbau für die Zukunft garantiert würde, machte die Bundesnetzagentur allen Bietern zur Auflage, dass sie bis 2005 deutschlandweit eine 50-prozentige Netzabdeckung erreicht haben müssten.
Sechs Mobilfunkanbieter boten damals mit, heute sind nur noch vier der Auktionäre auf dem relevanten Mobilfunkmarkt vertreten: Vodafone (damals Mannesmann D2), Telefónica O2 (ehemals Viag Interkom), die T-Mobile Deutschland GmbH und E-Plus.
Ersteigerung der UMTS-Lizenzen nicht Ende der Ausgaben
Mit der Ersteigerung der Lizenzen war das Ende der Ausgaben noch nicht erreicht. Analysten stellten einen zusätzlichen finanziellen Aufwand von 5 Milliarden Euro in den Raum, um überhaupt die nötige Infrastruktur für eine umspannende UMTS-Netzabdeckung zu gewährleisten. Quam und Mobilcom schieden 2003 aus dem Rennen aus, da sich die Firmen schlicht schon an den Lizenzkosten übernommen hatten.
Eine weitere Hürde stellte die Tatsache dar, dass es vor zehn Jahren keine Mobiltelefone gab, die diese Technologie unterstützten. Visionäre schwärmten von Übertragungsraten bis zu 2 Mbit die Sekunde. Es sollte noch bis zum Jahr 2004 dauern, bis die technischen Voraussetzungen bestanden. Dann allerdings korrigierten die Netzbetreiber die anvisierten Übertragungsraten auf 64 bis 384 Kbit die Sekunde nach unten. Bis 2005 konnten gerade einmal 2,3 Millionen Kunden die Technologie nutzen.
Bis heute einseitiger UMTS-Netzausbau aufgrund wirtschaftlicher Faktoren
Die horrenden Kosten, die die technische Entwicklung und die Lizenzierung mit sich brachten, machen sich bis heute im einseitigen Netzausbau bemerkbar. Alle Anbieter gehen auf den ersten Blick offen mit der Situation um. Sie stellen dem User auf den Firmenwebsites Karten zur Verfügung, auf denen sich - farblich markiert - die bisherige Netzabdeckung nachvollziehen lässt. Bei allen Betreibern ist die gleiche Strategie festzustellen. Der Netzausbau wurde vor allem in Ballungszentren wie dem Ruhrgebiet oder im Raum Frankfurt-Stuttgart vorangetrieben.
"Das hat einen rein wirtschaftlichen Hintergrund", erklärt Markus Göbel, Pressesprecher von O2. Schließlich säßen hier die potenziellen Kunden, die mit ihren Smartphones und iPads prädestiniert wären, UMTS zu nutzen. 10 Jahre nach der Versteigerung lässt sich eine bundesweite 50-prozentige Netzabdeckung lediglich bei Vodafone auf den ersten Blick erkennen.
EDGE stopft weiterhin Lücken im UMTS-Netz - O2 testet LTE-Netze
Allerdings tricksen die Anbieter oft bei der Darstellung der Abdeckung, denn Enhanced Data Rate for GSM Evolution, kurz EDGE wird oft in die Schaubilder mit einbezogen. EDGE ist eine Technologie zur Erhöhung der Datenrate in gebräuchlichen GSM-Netzen und war eigentlich als Vorstufe zu UMTS-gedacht. Heute stopft EDGE Lücken in der Netzabdeckung. "Mit EDGE erreichen wir 98 Prozent Netzabdeckung in Deutschland", sagt Telefónica O2 Sprecher Markus Göbel. Der Netzausbau gehe aber kontinuierlich weiter. "Wir haben im vergangenen Jahr 4 Milliarden Euro in den Ausbau unserer Netze investiert", schließt Göbel an.
2009 nutzten rund 24 Millionen Menschen UMTS. Die Zahlen für 2010 stehen noch aus. Schätzungen gehen aber von 31 Millionen Nutzern für das vergangene Jahr aus. Ob der UMTS-Netzausbau weiter gehen wird, ist sehr fraglich. Denn die Technologie, die UMTS als Standard ablösen soll, steht schon in den Startlöchern. Long Term Evolution (LTE) heißt das neue Stichwort. Die Anbieter lancieren bereits verschiedene Testnetze. "Wir testen gerade in vier Probenetzen und erreichen bisher 500.000 Menschen mit der LTE-Technologie", sagte Markus Göbel.












