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China baut das erste eSports Stadium – und eilt damit dem Trend voraus

Videospiele sind mittlerweile kein Hobby mehr, sondern ein Millionengeschäft. In China wurde nun das erste speziell für eSports gebaute Stadion eröffnet. 

Lange sind die Zeiten her, in denen Videospiele nur von Kindern und Nerds im Keller gespielt wurden. Damals war es eine Strafe, wenn man anderen beim Spielen zugucken musste. Heute füllen Spiele wie League of Legends, unter Spielern auch LoL genannt, oder FIFA ganze Stadien und Millionen verfolgen die Spiele per Stream von zu Hause aus.

China hat die Zeichen erkannt und hat nun das erste Stadion eröffnet, das sich nur eSports widmet. Bisher wurden die meisten Turniere in Hallen oder Stadien veranstaltet, in denen sonst „normale“ Sportarten ihr Zuhause hatten. Doch das wird dem neuen Sport nicht mehr gerecht, weshalb China die Vorreiterrolle übernommen und dabei keine Kosten gescheut hat.

Das Stadion der Zukunft

Das Zhongxian eSports Stadium steht direkt am Ufer des Yangtze Flusses im Südwesten Chinas, in der Millionenmetropole Chongqing. In nur acht Monaten wurde das Stadion gebaut und hat genug Platz für bis zu 20.000 Zuschauer. Der Architekt Barrie Ho hat sich ein wirklich ausgefallenes Design einfallen lassen. Das Bauwerk besteht aus einem Hauptteil, in dem die Arena ist und zwei Flügeln, die sich ausfahren lassen. Dabei ist die Außenseite des Stadions verglast und kann mittels LED Bildschirmen die Action vom Innenraum per Liveübertragung nach draußen streamen. Dadurch können auch die Fans, die kein Ticket ergattern konnten, Teil des Spektakels sein.

Doch das Projekt besteht aus mehr als nur dem Stadion. Geplant ist außerdem ein 5-Sterne Hotel zur Unterbringung der Spieler und Zuschauer mit Friseur, Einkaufszentrum und was man sonst noch alles zum Gamen braucht. Das Highlight ist allerdings das Trainingszentrum, welches sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. Hier werden Profis und vielversprechende Neulinge die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten unter idealen Voraussetzungen zu verfeinern. Dafür wird ihnen auch die neueste Technologie zur Verfügung gestellt, unter anderem ein VR-Tunnel. Die Fertigstellung des Projektes ist für Mitte dieses Jahres geplant.

„eSports ist wie ein Karneval”

Bennie Ho erklärt zu seinem Design, dass eSports nicht das ist, was sich viele Leute darunter vorstellen. „Alle denken, bei eSports geht es um zwei Personen, die im Internet ein Spiel spielen. Doch so ist es nicht. Es ist wie ein Karneval.“ Und genau diese Energie will Ho festhalten. Im Stadion und dank der LED-Außenfassade auch davor, geht es heiß zur Sache, aber immer freundschaftlich. Es wird zusammen gefeiert und es herrscht gute Stimmung. Ho sagt, dass Fair Play und gemeinsames Verständnis für das Spiel wichtige Werte im eSport sind, die im Gegensatz zu den großen Rivalitäten in der Arena stehen.

Aus diesem Grund hat er die Flügel des Stadions auch dem Taijitu nachempfunden, dem Yin-und-Yang-Zeichen. Sie bilden eine asymmetrische Symmetrie und spiegeln dabei sowohl die zwei Seiten des Wettbewerbs nach, aber auch die zwei Teams, die gegeneinander spielen. Ho sieht darin eine Harmonie im Wettkampf, zwei gegeneinander kämpfende Kräfte werden zu einem Ganzen.

Doch die Flügel erfüllen auch einen rein pragmatischen Zweck. eSports werden immer beliebter, die Besucherzahlen steigen immer weiter an und die Tickets sind meist innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Mittlerweile haben eSports online mehr Zuschauer als die NBA. Da sind die 7.000 Plätze der Arena zu wenig, um dem Ereignis gerecht zu werden. Deshalb sind die Flügel ausfahrbar, wodurch Platz für 13.000 zusätzliche Zuschauer geschaffen wird.

Farblich sind das Stadion und die Beleuchtung in Rot und Blau gehalten. Diese Farben stehen traditionell in Videospielen für die zwei gegeneinander spielenden Teams und dienen der Unterscheidung. Zwei der bekanntesten Spiele, die diese Farbunterscheidung benutzen, sind League of Legends und Halo.

Ein neues Zeitalter des Profisports 

Dass eSports nicht mehr von der Unterhaltungslandschaft wegzudenken sind, ist unbestreitbar. Nicht zuletzt hat das Amazons Kauf der Streaming Plattform Twitch für fast eine Milliarde US Dollar gezeigt. Das Marktforschungsunternehmen Newzoo schätzt, dass in 2019 über 420 Millionen Menschen regelmäßig eSport-Streams schauen werden. Der Videospieleproduzent Blizzards betreibt auch in den USA bereits mehrere Stadien, die ausschließlich eSports Events Veranstalten und auch in Südkorea gibt es bereits mehrere davon.

Doch nicht nur Übersee ist eSports am boomen. Auch hierzulande gibt es immer mehr Möglichkeiten selbst teilzuhaben. So hat mittlerweile fast jede Universität ein eigenes Uni-Team und im Jahr 2016 hat Schalke 04, als erster traditioneller Sportverein, ein eigenes Team gestartet. Dabei bleiben nach wie vor League oft Legends und FIFA die zwei beliebtesten Spiele neben Online-Poker, das laut aktuellen Informationen in jedem Moment Tausende von Spielern an die Bildschirme fesselt.

Durch die immer weiter verbreitete Akzeptanz von Technologie und Videospielen in Schulen und den finanziellen Ausblick, insbesondere in Asien, gibt es schon die ersten Studiengänge, in denen die Studierenden die Feinheiten des Spiels beigebracht bekommen. Die Prognose, dass eSports bald sogar eine Disziplin bei den Olympischen Spielen werden soll, ist somit gar nicht so abwegig. Diskutiert wird es schon und zwar nicht erst für die Spiele in zwanzig Jahren, sondern bereits 2020.

Ob man sich nun damit anfreunden kann, dass eSports eine echte Sportart ist, die körperliche und psychische Stärke benötigt oder ob man das alles nur für Daddelei hält, erwehren kann man sich nicht. Denn eines ist sicher, sie sind gekommen um zu bleiben.