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Screenreader – barrierefreies Arbeiten am PC

Computer sind heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, ob daheim, auf der Arbeit oder als Smartphone in der Hosentasche. Doch ist die Nutzung von Computern stets mit der Visualisierung von Information auf einem Monitor oder Display verbunden. Abhilfe verschaffen Screenreader, die dem Benutzer entweder Texte und Bedienelemente vorlesen oder mithilfe einer Braillezeile in Blindenschrift umwandeln.

Frau bedient trotz Sehschwäche einen Computer
Für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung kann das Arbeiten mit Computern zur Hürde werden. Screenreader können Abhilfe schaffen. Bildquelle: janneb13 / Pixabay

Was ist die Aufgabe eines Screenreaders?

Wie der Name bereits sagt, ist ein Screenreader eine Software, die dem Benutzer Bildschirminhalte vorliest. Die Anwendung soll Blinden und Menschen mit Sehbehinderung die Nutzung von Computern erleichtern. Doch verbirgt sich hinter einem Screenreader bei weitem mehr als ein simples Vorleseprogramm.

Ein Screenreader soll dem Nutzer dabei helfen, auch ohne Bereitstellung visueller Hilfen einen Computer bedienen zu können. Dazu müssen nicht nur Texte vorgelesen werden, sondern auch komplette Inhalte mitsamt Bedienfunktionen wie Buttons und Reglern so übersetzt werden, dass ein zusätzlicher Monitor unnötig wird. Ferner müssen Menüs bedient und Optionen umgestellt werden können.

So gut wie jede Software ist darauf ausgelegt, über ein optisches Interface bedient zu werden, daher können Screenreader schnell mal an ihre Grenzen stoßen. Die Nutzung einer Maus zum Beispiel ist nur dann sinnvoll, wenn der Benutzer den Cursor auch sehen kann. Ist dies nicht der Fall, muss die Bedienung eines Programms vollkommen über die Tastatur erfolgen.

Ohne integrale Bedienhilfen in den Programmen selbst ist es einem Screenreader kaum möglich, das Programm zufriedenstellend für Blinde oder Menschen mit Sehbehinderung darzustellen.

Wo können Screenreader gut angewandt werden, wo sind ihre Grenzen?

Da Screenreader integrale Unterstützung von Programmen benötigen, besteht ihre Hauptaufgabe derzeit darin, Blinden und Menschen mit Sehbehinderung das Bedienen des Betriebssystems zu ermöglichen, Textprogramme zu nutzen und im Internet zu surfen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten werden auf marlem-software.de ausführlicher behandelt.

MacOS, Windows, Ubuntu, IOS und je nach Version auch Android haben eigene integrierte Screenreader, doch beschränkt sich hier die Funktion auf das Vorlesen von Texten. Damit auch Blinde Computer nutzen können, empfiehlt sich die Nutzung von Screenreadern, die auch Braillezeilen unterstützen.

Der wichtigste kostenlose Screenreader auf dem Markt ist NVDA. Er bietet eine Unterstützung von Braillezeilen und die Möglichkeit, Microsoft Office und Firefox zu nutzen. Die Nutzung von NVDA erfolgt über die Ausführungsdatei nvda.exe und ist auch über einen USB-Stick an fremden Rechnern möglich.

Neben kostenfreien Screenreadern gibt es auch kostenpflichtige Versionen. Einer der wichtigsten kommerziellen Screenreader ist JAWS. Dieser ist speziell auf Windows ausgerichtet und bietet unter anderem erweiterte Nutzungsmöglichkeiten für Microsoft Office. Allerdings fangen die Kosten dieses Screenreaders bei 735 € an.

Screenreader reichen trotzdem leider nicht aus, um die Möglichkeiten eines Computers und seiner Programme voll auszuschöpfen. Folgende Probleme treten bei der Nutzung von Screenreadern auf:

  • Programm wird nicht unterstützt
  • Bilder und Videos können nicht wie Texte vorgelesen oder in Blindenschrift tradiert werden
  • Das maschinelle Vorlesen der Texte klingt mechanisch und unbetont
  • Wörter, deren Aussprache sich von der Schreibweise unterscheiden, werden falsch vorgelesen

Die Technik entwickelt sich zum Glück immer weiter, es werden von Jahr zu Jahr mehr Programme für Screenreader zur Verfügung gestellt, das maschinelle Vorlesen klingt ein wenig menschlicher und durch die Integration von Wörterbüchern kann ein Screenreader auch Fremdwörter erkennen und diese korrekt vorlesen.

Bei den Bildern und Videos ist es wichtig, dass alle Betreiber von Websites und deren Autoren ein Gespür für barrierefreies Surfen im Netz entwickeln und rein visuellen Inhalt stets mit einem beschreibenden Text versehen. Die Nutzbarkeit eines Screenreaders ist somit von vielen Personen abhängig.